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Arbeitsgang 10 · Kfz-Werkstatt · nach der Schule

In der Grube

Kfz-Mechaniker: LKW, Busse, Diesel-Pkw

Lehre und Gesellenzeit

Art
Lehre und Gesellenzeit
Abschluss
Gesellenbrief (Handwerkskammer)
Prüfmittel
Bremsprobe
Werkzeug
Drehmomentschlüssel, Druckluftbremsprüfstand
Comic-Zeichnung: Ein junger Mechaniker in blauer Latzhose steht in einer gemauerten Arbeitsgrube unter einem Lastwagen und setzt einen großen Drehmomentschlüssel an

Direkt nach der Schule in die Grube

Nach dem Schulabschluss habe ich nicht lange überlegt. Die Lehre begann direkt, und sie begann nicht an Kleinwagen. In der Halle standen Lastwagen, Busse und Diesel-Pkw. Wer dort anfängt, lernt Technik in einer Größe, die sich nicht wegtragen lässt.

Der Beruf hieß damals Kfz-Mechaniker. Heute heißt er Kfz-Mechatroniker, weil in einem Fahrzeug mehr Elektronik steckt als früher Blech. Gelernt habe ich den alten Namen, und so schreibe ich ihn hier auch hin.

Ein Lastwagen, der in der Halle steht, verdient in dieser Zeit nichts, und ein Bus, der nicht fährt, fehlt im Fahrplan. In so einem Betrieb wird deshalb selten über Eile geredet und oft über Reihenfolge. Was zuerst dran ist, entscheidet nicht die Laune, sondern die Liste.

Am Ende stand die Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer: ein praktischer Teil, ein schriftlicher Teil, ein Gesellenbrief. Der Brief selbst ist ein Stück Papier. Was er ändert, ist die Unterschrift darunter.

Eine Werkstatt für große Fahrzeuge

In einer Werkstatt für große Fahrzeuge liegt der Arbeitsplatz in der Grube — dem begehbaren Schacht, über dem das Fahrzeug steht. Eine Hebebühne hebt das Fahrzeug zu dir hoch. Eine Grube bringt dich unter das Fahrzeug.

Über dir hängen Achsen, Bremszylinder und Leitungen, und jedes Teil davon ist schwerer als du.

Ein Tag begann mit einem Auftrag und endete mit einem Eintrag. Dazwischen lag eine Reihenfolge, die niemand erfunden hat, weil sie sich ergibt: sichern, prüfen, zerlegen, messen, einbauen, nachziehen, noch einmal prüfen.

Radmuttern sind ein gutes Beispiel. Sie werden nicht angezogen, bis es hält, sondern bis der Drehmomentschlüssel auslöst. Das Drehmoment — die Kraft, mit der eine Schraube sitzen muss — steht in der Vorgabe des Herstellers. Bei Zwillingsbereifung, also zwei Rädern je Seite auf einer Achse, gilt diese Vorgabe für jede einzelne Mutter. Der Schlagschrauber darf eine Mutter ansetzen. Festziehen darf sie nur der Schlüssel.

Olaf sagt

Über dir hängt ein Bus. Da schraubst du nicht ungefähr.

Messen statt schätzen

Auf dem Bremsenprüfstand — der Rollenbahn, auf der jedes Rad einzeln seine Bremskraft abgibt — zeigt sich, ob links und rechts gleich ziehen.

Zur Fahrtvorbereitung eines Lastwagens gehört die Bremsprobe: das Prüfen der Bremswirkung, bevor das Fahrzeug auf die Straße geht. Druck aufbauen, anfahren, bremsen, spüren, ob das Fahrzeug gerade stehen bleibt.

Die Bremse, die aus Luft kommt

Ein Pkw bremst mit Flüssigkeit, ein Lastwagen mit Luft. Die Druckluftbremse presst die Beläge nicht über Bremsflüssigkeit an, sondern über Druckluft. Dafür braucht sie eine eigene Anlage: Kompressor, Lufttrockner, Druckregler, Vorratsbehälter.

Der Lufttrockner nimmt der Luft die Feuchtigkeit, bevor sie in die Behälter geht. Wasser in einer Bremsleitung friert, und eine gefrorene Bremse ist keine Bremse.

Zum Anhänger führen zwei getrennte Leitungen. Die eine bringt den Vorrat, die andere das Bremssignal. Zwei Aufgaben, zwei Wege — wer das weiß, muss am Fahrzeug nicht raten.

Ein Gedanke in dieser Anlage hat mich geprägt: der Federspeicher. Im gelösten Zustand hält die Druckluft eine kräftige Feder zurück. Fällt der Druck, entweicht die Luft, und die Feder legt die Bremse mechanisch an. Die Bremse fällt also zu, wenn die Anlage versagt, und nicht auf. Der sichere Zustand ist der, der sich von selbst einstellt. Diesen Satz habe ich behalten.

Diesel: eine Pumpe, die teilt

Die Fahrzeuge in der Halle fuhren mit Diesel, und dieser Diesel war Mechanik. Die Reiheneinspritzpumpe — die Pumpe, die jedem Zylinder seine Kraftstoffmenge zuteilt — sitzt am Motor und läuft mit ihm.

Ein Pumpenelement je Zylinder, für jedes Element ein Förderbeginn. Nocken, Federn, Regler: Alles daran lässt sich anfassen, und alles daran lässt sich verstellen.

Eingestellt wird so eine Pumpe nach Vorgabe, und geprüft wird sie auf einem Prüfstand. Die Einspritzdüsen kommen einzeln dran: Strahlbild, Öffnungsdruck, Dichtheit. Beim Diesel-Pkw kam die Vorkammer dazu, in der eine Glühkerze die Luft vorwärmt, damit der Motor kalt überhaupt anspringt.

Luft im Kraftstoff ist beim Diesel kein Schönheitsfehler, sondern der Grund, warum nichts läuft. Entlüften gehört deshalb zum Handgriff und nicht zur Fehlersuche.

Mit dem Gesellenbrief ändert sich nicht der Handgriff, sondern die Zuständigkeit. Als Lehrling zeigst du deine Arbeit. Als Geselle gibst du sie frei. Als Geselle habe ich gewartet, instand gesetzt und Prüfungen vorbereitet.

Was ich mitgenommen habe

Drei Dinge, die ich bis heute benutze.

Erstens die Vorgabe. Eine Zahl aus einem Handbuch ist keine Meinung, und Erfahrung ersetzt sie nicht. Sie ist ein Wert, den du erreichst oder nicht.

Zweitens den Blick von unten. Wer in der Grube liegt, weiß, dass über ihm ein Fahrzeug steht, in dem später Menschen sitzen. Verantwortung ist dann kein Vorsatz, den du dir vornimmst. Sie liegt schlicht über dir.

Drittens die Reihenfolge. Meine Prüfmittel heißen heute Tastatur, Kontrast und Vorlesesoftware. Ein Programm, das sich mit der Tastatur allein nicht bedienen lässt, sperrt Menschen aus. Deshalb steht dieser Durchgang bei mir vor der Freigabe und nicht nach der ersten Beschwerde.

Die Bremsprobe kam nicht aus Zweifel. Sie kam vor der Freigabe — und nur, wenn sie in Ordnung war, ging das Fahrzeug wieder raus.

Das nächste Fahrzeug, an dem ich schraubte, bremste nicht mit Druckluft, sondern mit einem Schirm im Heck.