50Blatt 5 von 8 · Systeme und Rechenzentrum

Arbeitsgang 50 · Rechenzentrum

„Systemfuzi"

Rechenzentrum: Systemadministrator

Terminalserver, Citrix, Backup, Clients, Skripte

Art
Beruf
Prüfmittel
Rücksicherung zur Probe
Werkzeug
Konsole, Bandbibliothek, eigene Skripte
Comic-Zeichnung: Ein Mann mit Headset und dunklem Schnürhemd steht zwischen offenen Serverschränken und hält eine Bandkassette in der Hand

Vom Prüfgerät ins Rechenzentrum

Mit dem Gesellenbrief in der Hand wechselte ich die Seite: nicht mehr aufbauen, sondern laufen halten. Meine Gesellenprüfung zum IT-Systemelektroniker hatte ich vor der Handwerkskammer abgelegt. Danach kam der Rechenzentrumsbetrieb eines IT-Unternehmens.

„Betrieb“ ist ein unauffälliges Wort für eine klare Aufgabe. Wer betreibt, baut nichts Neues, sondern sorgt dafür, dass das Vorhandene morgen genauso antwortet wie heute. Unspektakulär, solange es gelingt — und sehr sichtbar, wenn nicht.

Offiziell hieß das Systemadministrator. Daraus wurde eine Liste mit fünf Stichwörtern: Terminalserver, Citrix, Sicherung, Arbeitsplätze, Skripte. Hinter jedem Stichwort steckt ein halbes Handwerk.

Ein Rechenzentrum ist ein leiser Ort, in dem alles an etwas anderem hängt.

Ein Bildschirm für alle: Terminalserver

Ein Terminalserver ist ein Rechner im Rechenzentrum, der die Programme ausführt. Am Arbeitsplatz kommt nur das Bild an; zurück gehen Tastatur und Maus. Die Anwendung wandert also nicht zum Menschen, sondern der Mensch schaut ihr über eine Leitung zu.

Darüber lag Citrix — der Aufsatz, der die Sitzungen auf mehrere Server verteilte und auch mit schmalen Leitungen zurechtkam. Der Produktname wechselte mehrmals; die Idee blieb dieselbe.

Am Platz steht in so einem Aufbau oft ein Thin Client, ein kleines Gerät, das selbst fast nichts rechnet. Keine Platte, kaum Lüfter, kein Eigenleben. Fällt es aus, wird es getauscht und nicht repariert; die Arbeit des Nutzers liegt im Rechenzentrum und läuft weiter.

Ein Server für viele Nutzer bedeutet aber auch: ein Fehler für viele Nutzer. Wer auf einem Terminalserver etwas ändert, ändert es für alle, die dort gerade arbeiten. Deshalb werden solche Änderungen angekündigt, zuerst auf einem zweiten Server ausprobiert und außerhalb der Arbeitszeit eingebaut. Ein Neustart ist hier keine Kleinigkeit, sondern ein Termin.

Arbeitsplätze und Skripte

Daneben gab es weiterhin gewöhnliche Arbeitsplatzrechner. Ausgeliefert wurden sie nicht einzeln, sondern als Abbild — als fertige Kopie eines Systems, die auf viele Geräte geht. Dazu Gruppenrichtlinien, also Regeln, die für viele Rechner gleichzeitig gelten statt für jeden einmal.

Und dann die Skripte. Jeden Handgriff, der zweimal vorkam, habe ich aufgeschrieben. Erst als Batchdatei — eine Liste von Befehlen, die der Rechner von oben nach unten abarbeitet. Später in den Skriptsprachen, die Windows dafür mitbrachte.

Ein Skript ist nichts anderes als ein aufgeschriebener Handgriff. Es ermüdet nicht, es verrutscht nicht, und es überspringt keinen Schritt. Genau das kann eine Hand am Ende eines langen Tages nicht versprechen.

Sohn, Vater, Großvater

Die Sicherung war die andere Hälfte der Arbeit. Ihre Ordnung hat drei Namen, und die erklären sich von selbst: Sohn ist das Tagesband, Vater das Wochenband, Großvater das Monatsband. Wer so wechselt, hat den Stand von gestern, von letzter Woche und vom letzten Monat im Schrank.

Dahinter steht eine Regel, die heute noch gilt: drei Kopien, zwei verschiedene Medien, eine außer Haus. Der Grund ist unromantisch: Feuer, Wasser und Diebstahl treffen sonst die Daten und ihre Sicherung auf einmal.

Die Bänder liegen in solchen Häusern in einer Bandbibliothek, einem Schrank, in dem ein Greifarm die Kassetten wechselt. Jede Kassette trägt einen Strichcode, jedes Fach hat seinen Platz, und der Arm holt genau das Band, das der Auftrag verlangt. So eine Anlage ist ein Archiv mit Motor.

Nicht jede Sicherung sichert alles. Eine Vollsicherung nimmt den ganzen Bestand mit; die täglichen Läufe danach nehmen nur noch das Veränderte. Das spart Band und Zeit, verschiebt die Arbeit aber nach hinten. Beim Zurückspielen braucht es die Vollsicherung und jeden Tag danach, in der richtigen Reihenfolge.

Der Betrieb hat dafür eine eigene Sprache: Auftrag, Protokoll, Ticket, Rufbereitschaft. Ein Protokoll, das niemand liest, ist kein Protokoll. Also wird jeder Lauf gelesen, auch der grüne. Rufbereitschaft gab es regelmäßig, im Wechsel mit den Kollegen.

Was eine Sicherung wert ist

Am Ende steht der Satz, der alles trägt. Eine Sicherung, die nie zurückgespielt wurde, ist keine Sicherung, sondern eine Hoffnung mit Strichcode.

Olaf sagt

Ein Protokoll in Grün ist eine Meldung. Ein zurückgespieltes Band ist ein Beweis.

Deshalb gehört zur Sicherung die Rücksicherung: das Zurückspielen zur Probe, auf ein Ersatzsystem, ohne Not und ohne Publikum. Eine Probe beantwortet Fragen, die eine grüne Meldung offenlässt. Sind die Daten lesbar? Passt die Fassung des Programms noch dazu? Wie lange dauert es wirklich?

Erst danach steht fest, was die Sicherung wert ist.

Der „Systemfuzi“

Auf dem Papier gab es eine Bezeichnung, gerufen wurde eine andere. Aus dem Systemadministrator wurde der „Systemfuzi“ für alles. Ein Titel ist das nicht, und es soll auch keiner sein.

Die Endung steht so im Wörterbuch: salopp, ein leiser Spott für jemanden, den andere auf seinem Gebiet nicht ganz ernst nehmen. Ich benutze es trotzdem gern, denn es beschreibt die Rolle, die entsteht, wenn eine Zuständigkeit keine Kante hat.

So wächst eine solche Aufgabe. Wer den Terminalserver kennt, kennt auch die Sitzung, die nicht startet. Wer die Sicherung fährt, wird gefragt, wenn eine Datei von vorletzter Woche fehlt. Wer Skripte schreibt, bekommt die Arbeit, für die es kein Werkzeug gibt.

Das hat einen Preis und einen Gewinn. Der Preis ist die Unterbrechung. Der Gewinn ist der Überblick: Wer alle Teile anfasst, sieht, wo sie sich berühren.

Was ich mitgenommen habe

Drei Dinge sind aus diesem Betrieb bei mir geblieben.

Erstens die Probe. Eine Sicherung zählt erst, wenn sie einmal zurückgespielt wurde. Bei meiner Software heißt das: neu installieren, auf einem leeren Gerät, und nachsehen, ob wirklich alles mitkommt.

Zweitens das Skript statt des Handgriffs. Was sich wiederholt, wird aufgeschrieben. Ein aufgeschriebener Ablauf lässt sich prüfen, weitergeben und verbessern. Ein Handgriff im Kopf nicht.

Drittens der Unterschied zwischen Annahme und Zustand. „Das läuft“ ist eine Annahme. „Das habe ich eben geprüft“ ist ein Zustand. Ein Rechenzentrum verzeiht keine Annahmen, und ein Programm verzeiht sie auch nicht.

Auf meiner Liste steht deshalb noch etwas. Bedienung mit der Tastatur allein und mit einer Vorlesesoftware wird geprüft wie eine Rücksicherung — vorher, nicht nach der ersten Beschwerde. Ein Zugang, den nur ein Weg erreicht, ist kein Zugang.

Deshalb stand die Rücksicherung zur Probe auf dem Plan, bevor jemand danach fragte.

Dann wollte ich wieder dorthin, wo die Leitung anfängt — und nicht dort sitzen, wo sie endet.