40Blatt 4 von 8 · Systeme und Rechenzentrum

Arbeitsgang 40 · Umschulung · Handwerkskammer

Auf Draht

IT-Systemelektroniker

Umschulung mit Gesellenprüfung

Art
Umschulung
Abschluss
Gesellenbrief (Handwerkskammer)
Prüfmittel
Durchgangsmessung
Werkzeug
Lötkolben, Messgerät, Patchfeld
Comic-Zeichnung: Ein IT-Systemelektroniker sitzt an einer Werkbank mit aufgeschraubtem Rechner und Lötkolben und prüft mit einem Messgerät; daneben ein Patchfeld voller bunter Netzwerkkabel

Noch einmal von vorn

Im Metall siehst du den Fehler. Dann kam ein Fach, in dem der Fehler unsichtbar bleibt, bis ein Gerät ihn anzeigt.

Irgendwann wollte ich wissen, was in den Kabeln passiert. Also lernte ich noch einmal von vorn: IT-Systemelektroniker. Der Weg dorthin war eine Umschulung, keine zweite Lehre.

Geprüft wurde ich mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer, und auf dem Tisch lag mein zweiter Gesellenbrief. Auf dem ersten stand Kfz-Mechaniker. Zwei Briefe, zwei Werkstätten, dieselbe Handschrift.

Die Handgriffe am Kabel

Drei davon, jeder mit eigener Sauberkeit.

Konfektionieren heißt: ein Kabel auf Maß bringen und mit Steckern versehen. Den Mantel ziehst du ab, ohne die Adern anzuschneiden. Einen Millimeter zu tief, und die Ader ist verletzt, ohne dass es jemand sieht.

Im Kabel liegen die Adern paarweise verdrillt. Die Verdrillung ist kein Zopfmuster, sondern Schutz: Zwei Adern, die sich umeinander drehen, fangen eine Störung gemeinsam ein und heben sie wieder auf. Wer ein Paar zu weit aufdreht, nimmt dem Kabel genau die Eigenschaft, für die es gekauft wurde.

Auflegen und löten

Aufgelegt wird auf dem Patchfeld — der Leiste, auf der alle Netzwerkkabel eines Gebäudes zusammenlaufen. Dort arbeitet die Schneidklemmtechnik: Der Kontakt schneidet beim Eindrücken selbst durch die Isolierung und hält die Ader fest. Kein Löten, kein Schrauben, kein Abisolieren.

Gelötet wurde trotzdem, an Platinen und Steckern. Flussmittel hält die Fläche sauber, und das Zinn gehört ans Bauteil, nicht an die Spitze des Kolbens.

Die kalte Lötstelle ist der Lehrmeister dieses Fachs: grau statt glänzend, ringförmig gerissen, scheinbar heil. So eine Stelle trägt heute und fällt in einem halben Jahr aus.

Dann wird gemessen, und hier trennt sich Handwerk von Hoffnung. Die Durchgangsmessung zeigt, ob eine Leitung von Anfang bis Ende durchgeht. Ob jede Ader auf dem richtigen Stift sitzt, zeigt sie nicht.

Dafür gibt es die Belegungsprüfung — die Messung, die jede einzelne Ader ihrem Stift zuordnet. Zwei Adern aus zwei verschiedenen Paaren ergeben ein geteiltes Paar: Durchgang einwandfrei, Strecke unbrauchbar, sobald Daten mit Tempo darüber laufen.

Olaf sagt

Patchfeld und Lötkolben: Handarbeit. Nur dass der Fehler hier nicht zu sehen ist, sondern zu messen.

Strom, Erde und ein Schrank voller Ordnung

Jedes Gerät braucht Strom, und Strom hat seine eigene Ordnung: Zuleitung, Sicherung, Verteilung.

Dann die Erde. Erdung und Potentialausgleich heißen: alle Metallteile auf dasselbe Spannungsniveau schalten. Ein Schirm, die Metallhülle um die Adern, schützt nur, wenn er aufliegt. Sonst ist er ein Draht, der Störungen einsammelt.

Zum Schluss wird beschriftet, und das ist keine Kür. Ein Kabel ohne Aufdruck ist ein Rätsel für den, der später davorsteht.

Beschriften, aufzeichnen, messen: Erst danach heißt es Inbetriebnahme — der geprüfte Übergang von aufgebaut zu benutzbar.

Vom Metall zum Signal

Von außen war das ein Bruch. Eben noch Späne, jetzt Kabel. Von innen war es derselbe Beruf: Werkzeug in der Hand, Messgerät am Objekt, Vorgabe im Kopf. Nur das Maß heißt anders — dort ein Hundertstel Millimeter, hier ein Stift in einer Belegung.

Ein Unterschied bleibt, und er ist der wichtige. Ein Werkstück zeigt seinen Fehler irgendwann von selbst. Eine Strecke zeigt ihn nie. Ein Netz, das falsch aufgelegt ist, läuft trotzdem — langsam, sprunghaft, mit Aussetzern, die niemand im Kabel vermutet. Deshalb ist das Messgerät hier nicht die Kontrolle am Ende, sondern Teil des Aufbaus.

Was ich mitgenommen habe

Drei Dinge, die ich bis heute benutze.

Erstens: Der Fehler, den niemand sieht, ist trotzdem da. Ein Gerät, das eine Zahl anzeigt, beendet die Diskussion, ob etwas eigentlich gehen müsste.

Zweitens: Beschriften gehört zur Arbeit. Wer sauber verlegt und nichts anschreibt, hat halb gearbeitet.

Drittens: Ein neues Fach ist kein neues Denken. Ich habe das Werkzeug gewechselt, nicht die Reihenfolge.

Heute prüfe ich keine Adernpaare mehr. Ich prüfe, ob ein Programm sich allein mit der Tastatur bedienen lässt. Ich prüfe, ob die Vorlesesoftware — das Programm, das den Bildschirminhalt vorliest — jeden Knopf benennt. Und ob der Kontrast bei großer Schrift noch reicht.

Der Gedanke ist derselbe wie damals am Patchfeld. Eine Strecke, die nicht durchgeht, sperrt jemanden aus. Software soll das nicht.

Durchgemessen wird jede Strecke, bevor Daten darüber laufen — auch die, bei der ich mir sicher bin. Das ist die Durchgangsmessung auf dem Prüfvermerk dieses Blattes.

Nach der Prüfung ging ich dorthin, wo all diese Kabel enden: in den Betrieb eines Rechenzentrums.